top of page
Suche

SBTi Corporate Net-Zero Standard 2.0: Alle Änderungen – und was Unternehmen jetzt wissen müssen

Aktualisiert: 17. Juni

SBTi Corporate Net-Zero Standard Version 2.0
SBTi Corporate Net-Zero Standard Version 2.0

Der SBTi Corporate Net-Zero Standard V2.0 ist da. Was ändert sich für Unternehmen bei Scope 1, Scope 2, Scope 3, Transition Plan und Validierung? Alle Neuerungen im Überblick.


Der SBTi Corporate Net-Zero Standard Version 2.0 wurde am 11. Juni 2026 veröffentlicht. Es ist die erste vollständige Überarbeitung seit 2021, und sie ist substanziell.

Für alle Unternehmen, die bereits Science Based Targets (SBTi) gesetzt haben oder dies planen, ergeben sich konkrete Konsequenzen: neue Kategorisierungen, ein zyklisches Validierungsmodell, strengere Anforderungen an den Transition Plan und eine klare Hierarchie für Maßnahmen zur Zielerreichung.


Die finale Version wurde am 11. Juni 2026 veröffentlicht und kann ab 1. Februar 2027 angewendet werden und ist ab 2028 verbindlich.


Die 7 wichtigsten Änderungen im SBTi Corporate Net-Zero Standard Version 2.0


1. Neue Unternehmenskategorien: A und B

Neu ist eine formale Differenzierung nach Größe und Geografie, die direkt bestimmt, welche Anforderungen für ein Unternehmen gelten.

Kategorie A umfasst:

  • Große Unternehmen aus allen Ländern (über 1.000 Mitarbeitende oder über 450 Mio. € Umsatz)

  • Mittelständische Unternehmen aus Hocheinkommensländern

Kategorie B umfasst:

  • Kleine und Kleinstunternehmen aus allen Ländern (unter 250 Mitarbeitende, unter 50 Mio. € Umsatz, unter 10.000 t CO₂e Scope 1+2)

  • Mittelständische Unternehmen aus einkommensschwächeren Ländern (nach Weltbank-Klassifikation)

Für Kategorie-B-Unternehmen sind Scope-3-Ziele, der Transition Plan und die Drittpartei-Assurance optional – aber ausdrücklich empfohlen.

Wichtig für Konzerne: Die Kategorisierung erfolgt auf Basis konsolidierter Gruppengrößen, nicht auf Ebene der Tochtergesellschaft.



2. Zyklisches Validierungsmodell statt Einmalprüfung

Das bisherige Modell – Ziele setzen, einmalig validieren – wird durch einen kontinuierlichen Validierungszyklus ersetzt:


Entry Check → Initial Validation → End-of-cycle Assessment → Renewal Validation

Ergänzt durch optionale Spot Checks. Das bedeutet: Unternehmen werden nicht nur einmal bewertet, sondern müssen am Ende jedes 5-Jahres-Zyklus Fortschritte nachweisen, Barrieren transparent kommunizieren und neue Ziele setzen, auch dann, wenn Lücken zur ursprünglichen Zielsetzung bestehen. Kontinuierliche Verbesserung ersetzt den Anspruch auf einmalige Perfektion. Außderdem wird für Kategorie A Unternehmen eine third-party Valdierung der Treibhausgasbilanz verpflichtend.



3. Änderungen bei der Zielsetzung

Die Änderungen bei der Zielsetzung gehört zu den bedeutsamsten Neuerungen.


Scope 1 & 2: Getrennte Ziele

Bisher war ein kombiniertes Scope-1+2-Ziel möglich. Das entfällt. Für alle Kategorie-A-Unternehmen sind ab V2.0 separate Scope-1- und Scope-2-Ziele verpflichtend. Near-Term-Ziele decken dabei immer einen 5-Jahres-Zeitraum ab.


Neben den absoluten & intensitäts Zielen können Scope-1 Emissionen künftig auch über einen Asset Decarbonisation Plan (ADP) abdecken. Dieser beinhaltet einen strukturierten Fahrplan zur Dekarbonisierung langlebiger Anlagen entlang anerkannter wissenschaftlicher Pfade.


Bei den Scope-2 Zielen gibt es nun zwei anerkannte Wege: entweder ein LCE-Alignment-Ziel (Anteil Low-Carbon Electricity am Gesamtstrombezug) oder ein klassisches Absolutes-Emissionsreduktionsziel. Eine Ausnahme gilt für Unternehmen mit stark wachsendem Stromverbrauch: Kategorie A Unternehmen die mehr als 20 % pro Jahr zulegt, muss ein Scope-2-Emissionsziel setzen, ein LCE-Alignment-Ziel allein reicht dann nicht.


Scope 3: Mehr Möglichkeiten in der Zielsetzung

Hier hat sich am meisten verändert. Die bisherige 40 %-Schwelle für die verpflichtende Zielsetzung von Scope 3 entfällt ersatzlos.


Stattdessen gilt für Kategorie A: Scope-3-Ziele sind verpflichtend für alle signifikanten Scope-3-Kategorien – das sind alle Kategorien (1–14), die ≥ 5 % der gesamten Scope-3-Emissionen ausmachen. Damit wird die Abdeckung aktivitätsspezifisch und nicht mehr anhand einer starren Gesamtschwelle bestimmt. Die bisherige 67 %-Abdeckungsregel als festes Kriterium fällt ebenfalls weg. Für Kategorie B bleiben Scope-3-Ziele optional.


Drei Wege zur Scope-3 Zielsetzung

V2.0 formalisiert drei gleichwertige Optionen für die Zielsetzung im Scope 3:


Option 1 – Absolute Reduktion: Lineare Emissionsminderung der Scope-3-Emissionen vom Basisjahr bis auf ≤ 10 % Residualemissionen im Net-Zero-Jahr 2050 oder früher.


Option 2 – Supplier/Customer Alignment Target: Schrittweise Erhöhung des Anteils an Tier-1-Lieferanten oder -Kunden, die selbst science-based targets verfolgen. Dadurch werden die bisherigen Supplier Engagement Targets, jetzt als eigenständige Option formalisiert.


Option 3 – Aktivitäts- oder sektorspezifische Ziele: Maßgeschneiderte Ziele für Unternehmen mit konzentrierten Emissionen in bestimmten Kategorien, ausgerichtet an sektorspezifischen Dekarbonisierungspfaden (z. B. Stahl, Zement, Transport) oder allgemeinen Upstream- bzw. Downstream-Benchmarks. Außerdem können für manche Kategorien neben Emissionszielen auch Zirkularitätsziele gesetzt werden. z.B. Ziel zur Steigerung des Anteils von Produkten (gemessen nach Volumen oder Umsatz), die mit Lösungen der Kreislaufwirtschaft für das Ende ihres Lebenszyklus konzipiert sind.



4. Implementierungshierarchie: Wie soll priorisiert werden?

Eine weitere zentrale Neuerungen des V2.0 ist die Implementierungshierarchie, die klarheit bringt in welcher Reihenfolge Maßnahmen priorisiert werden müssen:


Stufe 1 – Direkte Maßnahmen (Activity Level): Emissionsreduktionen direkt an der Quelle. Effizienzsteigerungen, Brennstoffwechsel, Lieferantenengagement. Das ist die Priorität und Grundvoraussetzung für alle weiteren Maßnahmen.


Stufe 2 – Maßnahmen in geteilten Systemen (Activity Pools): Wenn Emissionen in geteilten Systemen entstehen (Stromnetze, Versorgungsketten, Logistiknetzwerke), können Unternehmen innerhalb dieser Systeme aktiv werden, z. B. durch Environmental Attribute Certificates (EACs), Massenbilanz-Modelle oder Book-and-Claim. Alle Marktinstrumente müssen strenge Integritätskriterien erfüllen (Zusätzlichkeit, Systemrelevanz, transparente Quantifizierung).


Stufe 3 – Sektormaßnahmen: Nur erlaubt wenn nachweislich strukturelle Hindernisse (technologisch, regulatorisch, infrastrukturell) Maßnahmen auf den ersten zwei Ebenen verhindern mit Dokumentationspflicht ab dem End-of-cycle Assessment.


Fazit für die Praxis: Zertifikate mit gewissen Qualitätskriterien sind erlaubt, aber sie ersetzen direkte Reduktionen nicht.



5. Transition Plan: Pflicht für Kategorie A

Für Unternehmen ist ein formaler Transition Plan künftig verpflichtend. Er muss von Kategorie A Unternehmen innerhalb von 15 Monaten nach der Initial Validation veröffentlicht werden und folgende Elemente enthalten:

  • Alle Ziele (inkl. sektorspezifische)

  • Konkrete Maßnahmen mit Roadmap (kurzfristig 0–5 Jahre, mittelfristig 5–15 Jahre)

  • Annahmen und externe Abhängigkeiten

  • Ausstiegsplan für unabated fossil fuels

  • Kostenplanung und Finanzierungsansatz

Der Transition Plan muss vom höchsten Governance Gremium (z. B. Vorstand) genehmigt werden und alle 5 Jahre überprüft werden. Für Kategorie B ist er optional, aber empfohlen.



6. Best-Efforts-Ansatz

V2.0 macht explizit, was in der Praxis längst klar war: Unternehmen können nicht alles kontrollieren. Der Standard verlangt keine Erfolgsgarantie, sondern maximale Transparenz über:

  • Erzielte Fortschritte

  • Identifizierte Barrieren

  • Konkrete Maßnahmen zur Überwindung dieser Barrieren


Unternehmen, die dies nachweislich tun, können weiterhin im SBTi-Rahmen bleiben und neue Ziele setzen, auch wenn der vorherige Zielzyklus nicht vollständig erfüllt wurde.



7. Ongoing Emissions Responsibility (OER)

Ab 2035 müssen Kategorie-A Unternehmen einen Teil ihrer verbleibenden Emissionen durch hochwertige Carbon Credits adressieren. Ab dem Net-Zero-Zieljahr gilt: Alle residualen Emissionen müssen neutralisiert werden.

V2.0 führt ein optionales OER Recognition Program ein für Unternehmen, die schon jetzt Verantwortung für laufende Emissionen übernehmen wollen. Hochwertige Carbon Credits spielen dabei eine Rolle, aber ausschließlich als Ergänzung zu realen Reduktionen.



Was bedeutet das konkret für dein Unternehmen?

Die Version 2.0 bringt mehr Komplexität, aber bietet auch mehr Möglichkeiten. Wer heute schon strukturiert an Scope-3 Emissionen, Lieferantenengagement und Transition Planning arbeitet, ist gut vorbereitet.


Deine nächsten Schritte:

  1. Kategorisierung klären: Bin ich Kategorie A oder B? (Konsolidierte Gruppengröße prüfen)

  2. Bestehende Ziele einordnen: Welche Ziele bleiben gültig, welche müssen überarbeitet werden?

  3. Scope-3 Strategie überprüfen: Welcher Ansatz passt zu meinen konzentrierten Emissionsquellen?

  4. Transition Plan aufsetzen (für Kategorie A: Pflicht; für Kategorie B: jetzt starten lohnt sich)

  5. Dokumentationsstruktur aufbauen: Das neue Validierungsmodell verlangt laufendes Reporting


Der SBTi Corporate Net-Zero Standard V2.0 leitet eine neue Phase am Weg zu Net-Zero ein, die die Komplexität der Realität anerkennt. Die Differenzierung nach Unternehmenskategorien macht SBTi auch für den Mittelstand zugänglicher. Die Implementierungshierarchie gibt endlich klare Orientierung. Der zyklische Validierungsansatz schafft echte Rechenschaftspflicht ohne dabei das Nichterfüllen zu bestrafen.


Möchtest du wissen, was der neue Standard konkret für dein Unternehmen bedeutet?

Unser SBTi certified Expertinnen unterstützen dich bei der Einordnung, der Anpassung bestehender Ziele und der Entwicklung eines Transition Plans, der tatsächlich ins Unternehmen passt.


→ Jetzt kostenlose Gespräch vereinbaren: Termin


 
 

unfold consulting GmbH

Hermanngasse 31/12

1070 Wien

office@unfold-consulting.eu

  • LinkedIn

©2025 unfold consulting GmbH

Newsletter

In unserem Newsletter erfährt ihr regelmäßig Neuigkeiten rund um Nachhaltigkeit und unseren Angeboten.

Du hast dich erfolgreich für den Newsletter angemeldet!

bottom of page